Zum Nachdenken

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Inseln der Barmherzigkeit ...

Inseln der Barmherzigkeit im Meer der Gleichgültigkeit.

 

Ich bin eingeladen jeden Buchstaben dieses Wortes mit Leben zu füllen.

So entstehen Inseln - meine Inseln -,

die sich wiederum mit anderen Inseln verbinden.

Ein Netzwerk entsteht im

Miteinander, Füreinander und Zueinander - 

wider die Gleichgültigkeit.

 

B ereit sein - für neue Wege

A chtsam durch den Tag gehen - die kleinen Wunder entdecken

R uhe ausstrahlen - die Hektik durchbrechen

M auern einreißen - aufeinander zugehen

H ören - mit dem Ohr des Herzens

E hrlich sein - aus innerster Überzeugung

R ücksicht nehmen - gegen den Trend des Durchsetzens

Z ivilcourage riskieren - zum Schutz der Benachteiligten

 I deale in den Blick nehmen - doch die Realität zulassen

G renzen überwinden - dem Fremden die Hand reichen

K lage wahrnehmen - sie will gehört werden

E rlebnisse austauschen - und zwischenmenschliche Brücken bauen

 I nsel der Barmherzigkeit sein - im Meer der Gleichgültigkeit

T rauer und Tränen aushalten - wortlos beistehen

 

Gott,

nimm an meinen guten Willen, barmherzig zu sein,

so wie du barmherzig mit mir bist.

 

Lass mich zu einer Insel der Barmherzigkeit werden

mitten im Alltag

zusammen mit vielen anderen Inseln.

 

Du, Gott der Barmherzigkeit, begleite uns.

Lass uns zusammenwachsen zu einem Insel-Netzwerk

gegen ein Meer der Gleichgültigkeit.

 

Martino Machowiak CPS, Missionsschwester vom Kostbaren Blut, Trauerbegleiterin

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Quantitativer Irrtum

So reich waren wir nie wie heute –

so habgierig aber waren wir auch nie wie heute.

 

So viele Kleider hatten wir nie wie heute –

so ausgezogen, so nackt aber, waren wir auch nie wie heute.

 

So satt waren wir nie wie heute –

so unersättlich aber waren wir auch noch nie wie heute.

 

So schöne Häuser hatten wir nie wie heute –

so unbehaust, so heimatlos aber waren wir nie wie heute.

 

So versichert waren wir nie wie heute –

so unsicher aber waren wir nie wie heute.

 

So weit gereist waren wir nie wie heute –

so eng aber war für uns das Land nie wie heute.

 

So viel Zeit hatten wir nie wie heute –

so gelangweilt aber waren wir auch nie wie heute.

 

So viel wissend waren wir nie wie heute –

so sehr die Übersicht verloren haben wir nie wie heute.

 

So viel gesehen haben wir nie wie heute –

so blind aber waren wir nie wie heute.

 

So viel Licht hatten wir nie wie heute –

so dunkel aber war es nie wie heute.

 

So risikolos haben wir nie gelebt wie heute –

so isoliert aber waren die Menschen nie wie heute.

 

So eng aufeinander haben die Menschen nie gelebt wie heute –

so weit voneinander entfernt aber waren die Menschen nie wie heute.

 

So hoch entwickelt waren wir nie wie heute –

so sehr am Ende aber waren wir nie wie heute.

 

Wilhelm Willms, in: Jugend und Gott, A. Pareira / K. Balberg (Hrsg) Butzon&Bercker 1994.

 

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Traum von der Kirche

Ich träumte von einer Kirche,

zu der Menschen aller Rassen und Nationen gehörten,

viele Völker, Priester und Laien, einfache Menschen und Gebildete -

nicht gegeneinander, sondern miteinander und füreinander.

In ihr waren die Worte "ich", "er", "sie", "ihr", die Fremdworte -

"Du" und "Wir", das war die Umgangssprache,

so gingen sie miteinander um.

 

Ich träumte von einer Kirche,

in der sich nicht einer vom anderen bedienen ließ,

sondern wo alle einander dienen wollten.

Da sprachen sie offen, nicht übereinander, sondern miteinander,

geschwisterlich, nicht herrlich,

einfach so, weil's um die Sache Jesu ging.

 

Ich träumte von einer Kirche,

da überließen sie die Seelsorge nicht nur dem Priester,

da sorgten sich alle mit - alle für alle Menschen.

 

Ich träumte von einer Kirche,

in der schlug niemand auf den Tisch,

da schlugen alle auf die eigene Brust,

da wuschen sie sich nicht die Köpfe, sondern die Füße,

da war man ein Herz und eine Seele,

Salz, das die Welt genießbar macht,

eine kleine Herde, selbstbewusst und siegesgewiss,

Licht verbreitend in die Dunkelheit der Welt,

weil's um die Sache Jesu ging.

Und die Sache Jesu, das sei ihre Zukunft - sagten sie.

 

Ich erwachte - und ich sah eine Kirche,

in der vieles, fast alles nicht so ist.

Ich verzweifelte, resignierte,

wollte zurück in meine Traumwelt - da wurde ich belehrt:

"Dein Traum ist alt, 2.000 Jahre alt;

aufgeschrieben von Matthäus und Markus,

Lukas und Johannes, Paulus und Petrus,

in vielen Kapiteln und Versen."

Und ich sah: Mein Traum stand da geschrieben:

"Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe."

 

Und ich begriff:

Träume lassen leben, für Träume läßt's sich leben.

W. Schumacher


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Ein Mensch - wie wir!

Weihnachten - Fest der Menschlichkeit!

Weihnachten - Fest der Liebe!

Weihnachten - Fest der Familie!

 

Was soll Weihnachten in dieser Zeit?

- der Zeit der Massenkriege,

- des Massenelends

- der Massenvergnügungen.

 

Weihnachten - Fest des Menschen?

 

Aber unsere Zeit kennt den Menschen nicht mehr,

kennt nur noch die Zahl,

die Nummer,

den Stempel,

die Karteikarte,

das Maschinenteilchen,

das Rädchen,

- das man auswechselt, wenn es zu nichts mehr taugt

- das man zum Schrott wirft, wenn es kaputt ist

zum Schrott,

zum Abfall,

zum Mühl,

- das man abschiebt - in die Fremde.

 

Weihnachten - Fest des Menschen?

 

„Es ergab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Quirinius Statthalter von Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.

Da machte sich auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land, zur Stadt Davids, die da heißt Betlehem, da er aus dem Hause und dem Geschlecht Davids war, auf, dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem anvertrauten Weibe, die schwanger war“.

 

Beamter: Name?

Joseph.

Beamter: Familie?

Haus Davids.

Beamter: Geburtsort?

Nazareth.

Beamter: Beruf?

Zimmermann.

Beamter: Familienstand?

Verlobt.

Beamter: Name der Frau?

Maria.

Beamter: Kinder?

Noch nicht.

Beamter: Was heißt das?

Wir erwarten das Kind in den nächsten Tagen.

Beamter: Das interessiert nicht. Keine Kinder. Der Nächste bitte!

 

Menschen, wie Vieh umhergetrieben.

Auch schwangere Frauen,

auch Säuglinge,

Kranke,

Alte,

Arbeitslose,

Flüchtlinge,

Kriegsgefangene,

Asylanten,

Schubhäftlinge.

 

Umhergetrieben wie Vieh,

um registriert zu werden.

Geschätzt nach ihrem Steuerwert,

nach ihrem Arbeitswert,

nach ihrem Nutzwert.

 

„Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten keinen Platz in der Herberge“.

 

Ein Mensch -  wie wir.

eine Nummer - wie wir.

Ein Rädchen - wie wir.

 

Und doch - der Heiland?

Und doch - der Herr?

Und doch - Gottes Sohn?

 

„Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Schafen, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie. Und sie fürchteten sich sehr.

Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkünde euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen“.

 

Ein Kind?

In Windeln?

In einem Futtertrog?

 

Was soll das Kind?

Wir brauchen kein Kind, sondern einen Retter, der uns die Angst nimmt!

Die Angst vor Krieg und Not,

die Angst vor Schuld und Einsamkeit,

die Angst vor Tod und Leben,

vor der Zukunft,

vor den anderen,

vor uns selbst.

 

„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkünde euch große Freude“.

 

Wir brauchen den Frieden für alle,

die Gerechtigkeit für alle!

 

„Siehe, ich verkünde euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird“.

 

Wir suchen das Geheimnis, wie man ein Mensch wird.

Mensch - nicht Nummer.

Mensch unter Menschen - heute.

Mensch in der Welt - heute.

Mensch vor Gott - heute.

 

„Es ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen“.

 

Das ist das Wunder!

Er wird uns ähnlich!

Gott wird Mensch!

Für uns - die Menschen,

die Nummern,

die Rädchen!

 

Das ist das Wunder!

 

Autor/in unbekannt.

Lesung von Theater ULK bei der „Stillen Weihnacht“ 2015 im Schloss Ulmerfeld.


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Wenn Jesus heute leben würde ...

Wenn Jesus Christus heute leben würde,

er bekäme in meinem Dorf kein Zimmer,

denn Jesus hatte lange Haare.

 

Wenn Maria heute leben würde,

sie bekäme in meinem Dorf kein Zimmer,

denn Maria war schwanger.

 

Wenn die heiligen Drei Könige heute leben würden,

sie bekämen in meinem Dorf kein Zimmer,

denn einer von ihnen war ein Schwarzer.

 

Dass bedeutet,

in den letzten 2000 Jahren

hat sich in meinem Dorf nichts verändert.

Uwe Natus

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